Umsatzsteuer & Dropshipping in Deutschland

Dropshipping nach Deutschland lässt sich in bestimmten grenzüberschreitenden Fällen so gestalten, dass der Händler im Checkout keine deutsche Umsatzsteuer berechnet. Entscheidend ist nicht der Sitz Ihres Unternehmens, sondern wo die Ware startet und wer sie nach Deutschland einführt. Auf dieser Seite finden Sie die Rechtsgrundlagen, die deutschen Besonderheiten und die Pflichten, die neben der Umsatzsteuer gelten.

Ist das für Sie relevant? Diese Seite ist für Händler, deren Ware von außerhalb der EU direkt an Verbraucher in Deutschland geht, die keinen Lagerbestand in der EU halten und die heute im Checkout Umsatzsteuer berechnen oder nicht sicher sind, ob sie es müssen. Lassen Sie Ihr Setup kostenlos prüfen – unverbindlich, mit Rückmeldung innerhalb von 48 Arbeitsstunden.

Wo liegt der Ort der Lieferung?

Beginnt der Versand in einem Drittland, etwa in China, und geht die Ware direkt an einen Verbraucher in Deutschland, richtet sich der Lieferort nach Artikel 32 der Mehrwertsteuersystemrichtlinie (Richtlinie 2006/112/EG) und nach § 3 Abs. 6 UStG grundsätzlich nach dem Abgangsort. Die Lieferung gilt dann nicht als in Deutschland ausgeführt.

Die entscheidende Ausnahme steht in § 3 Abs. 8 UStG. Ist der Lieferer oder sein Beauftragter Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer, verlagert sich der Lieferort nach Deutschland. Wer also verzollt und versteuert (DDP) liefert, schuldet deutsche Umsatzsteuer. Nur wenn der Kunde Importeur ist, bleibt der Lieferort außerhalb der EU.

Die Umsatzsteuer verschwindet dadurch nicht. Sie entsteht bei der Einfuhr, und sie wird vom Kunden als Importeur getragen. Das muss in Ihren Verkaufsbedingungen, im Checkout und auf der Rechnung sauber abgebildet sein.

Umsatzsteuer in Deutschland: die Eckdaten

  • Regelsteuersatz: 19 %
  • Ermäßigter Steuersatz: 7 %, unter anderem für viele Lebensmittel, Bücher und Zeitschriften
  • Einfuhrumsatzsteuer: 19 % bzw. 7 % auf den Zollwert einschließlich Fracht, Versicherung und etwaiger Zölle
  • Zoll bei Kleinsendungen: Die Zollbefreiung für Sendungen bis 150 € ist zum 1. Juli 2026 entfallen (Verordnung (EU) 2026/382). Seitdem gilt übergangsweise ein pauschaler Zoll von 3 € je Artikel bei Fernverkäufen eingeführter Gegenstände mit einem Sachwert bis 150 €. Maßgeblich ist die Warenart: Gleichartige Waren in einer Sendung zählen als ein Artikel, fünf gleiche T-Shirts kosten also 3 €, ein T-Shirt und eine Uhr zusammen 6 €. Der Pauschalzoll gilt in zwei Fällen: wenn die Einfuhr wegen der Nutzung von IOSS umsatzsteuerfrei ist (Artikel 143 Absatz 1 Buchstabe ca der Richtlinie 2006/112/EG), oder wenn die Sendung als Postsendung befördert wird. Versenden Sie per Kurier ohne IOSS, gilt stattdessen der normale Zolltarif. Die Maßnahme läuft bis zum 1. Juli 2028.
  • Abfertigungsgebühr, erwartet ab dem 1. November 2026: Artikel 20 Absatz 2 der Verordnung (EU) 2026/2108 sieht eine Gebühr mit einem festen Betrag je Artikel vor; die Kommission hat sie mit delegierter Verordnung vom 21. September 2026 auf 2 € je Artikel festgesetzt. Sie gilt ab dem zehnten Tag nach Veröffentlichung dieses Rechtsakts im Amtsblatt, fällt auch bei Sendungen über 150 € an, wird nicht erstattet und ist vom Zollschuldner bei der Einfuhr zu zahlen.
  • Einfuhrumsatzsteuer ab dem ersten Cent: Die frühere 22-€-Freigrenze ist bereits seit dem 1. Juli 2021 abgeschafft.
  • Landesbezeichnung: amtlich „Umsatzsteuer“, umgangssprachlich „Mehrwertsteuer“ (MwSt.)

Zuständige Behörden

  • Finanzamt: Unternehmen ohne Sitz in Deutschland werden je nach Sitzstaat einem zentral zuständigen Finanzamt zugewiesen (Umsatzsteuerzuständigkeitsverordnung). Für Unternehmen aus der Volksrepublik China und aus Hongkong ist das Finanzamt Berlin International zuständig, für Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich das Finanzamt Hannover-Nord, aus den USA das Finanzamt Bonn-Innenstadt und aus den Niederlanden das Finanzamt Kleve.
  • Bundeszentralamt für Steuern (BZSt): zuständig für die Registrierung zu OSS und IOSS, wenn Deutschland Mitgliedstaat der Identifizierung ist, sowie für die Vergabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.
  • Zoll: erhebt bei der Einfuhr Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Wer selbst anmeldet, benötigt eine EORI-Nummer.

Rechenbeispiel: Bestellung über 60 €

Ein Kunde in Hamburg bestellt ein Produkt für 60 € inklusive Versand, das direkt aus China versendet wird.

  • Kunde ist Importeur, kein IOSS: Bei der Einfuhr fallen rund 11,40 € Einfuhrumsatzsteuer an (19 % auf 60 €) sowie seit dem 1. Juli 2026 der pauschale Zoll von 3 € je Artikel. Wird die Sonderregelung für die Einfuhr genutzt, gehört dieser Zollbetrag zur Bemessungsgrundlage der Einfuhrumsatzsteuer. Der Zustelldienst legt die Beträge in der Regel aus und berechnet dafür eine Auslagepauschale, deren Höhe je nach Anbieter unterschiedlich ist. Der Kunde zahlt das bei der Zustellung.
  • Mit IOSS: Sie berechnen die 19 % bereits im Checkout und erklären sie über IOSS. Die Einfuhr ist dann von der Einfuhrumsatzsteuer befreit. Der pauschale Zoll von 3 € je Artikel entfällt dadurch allerdings nicht: Er ist vom IOSS-Anmelder zu zahlen und gehört bei IOSS nicht zur Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer.
  • DDP durch Sie: Sind Sie Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer, liegt der Lieferort nach § 3 Abs. 8 UStG in Deutschland. Dann brauchen Sie eine deutsche Registrierung und führen 19 % auf Ihren Verkaufspreis ab.

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Wann brauchen Sie eine deutsche Steuernummer?

  • Wenn Sie Ware in Deutschland lagern, etwa in einem Fulfillment-Lager oder bei Amazon FBA.
  • Wenn Sie oder Ihr Beauftragter die Ware nach Deutschland einführen und die Lieferung nicht über IOSS abgedeckt ist.
  • Wenn Sie innergemeinschaftliche Erwerbe in Deutschland tätigen.

Registrierte Unternehmen geben Umsatzsteuer-Voranmeldungen elektronisch über ELSTER ab, in der Regel bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums, zusätzlich eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung. Eine Dauerfristverlängerung ist auf Antrag möglich. Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG setzt eine Ansässigkeit voraus: Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU können sie nicht nutzen. Für in der EU ansässige Unternehmen gibt es seit 2025 eine EU-weite Kleinunternehmerregelung mit eigenem Registrierungsverfahren im Sitzstaat.

Rechnungen für deutsche Kunden

Stellen Sie eine Rechnung aus, muss sie die Angaben nach § 14 Abs. 4 UStG enthalten, unter anderem vollständige Namen und Anschriften, Steuernummer oder USt-IdNr., Rechnungsdatum, fortlaufende Rechnungsnummer, Menge und Art der Leistung, Entgelt und Steuerbetrag. Bei Kleinbetragsrechnungen bis 250 € gelten Erleichterungen. Berechnen Sie keine deutsche Umsatzsteuer, weil der Lieferort außerhalb der EU liegt, weisen Sie keine Umsatzsteuer aus und nehmen stattdessen einen klaren Hinweis auf. Ein falscher Steuerausweis wird nach § 14c UStG geschuldet, auch wenn er nicht hätte berechnet werden dürfen.

Pflichten neben der Umsatzsteuer, die viele Händler übersehen

Wer Waren an deutsche Verbraucher verkauft, hat weitere Registrierungspflichten. Sie haben mit der Umsatzsteuer nichts zu tun, führen aber in der Praxis häufig zu Problemen mit Marktplätzen und Zahlungsdienstleistern.

  • Verpackungsgesetz und LUCID: Wer verpackte Ware erstmals auf dem deutschen Markt in Verkehr bringt, muss sich vor dem ersten Verkauf im Verpackungsregister LUCID bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister registrieren und sich an einem dualen System beteiligen. Marktplätze müssen die Registrierung prüfen.
  • Elektrogeräte und Batterien: Für Elektro- und Elektronikgeräte gilt das ElektroG mit Registrierung bei der Stiftung EAR, für Batterien das Batteriegesetz. Hersteller ohne Niederlassung in Deutschland benötigen einen Bevollmächtigten.
  • Marktplatzhaftung: Marktplätze haften nach § 25e UStG für nicht abgeführte Umsatzsteuer ihrer Händler und verlangen deshalb Nachweise. Bei Sendungen bis 150 € aus Drittländern gilt der Marktplatz häufig selbst als Lieferer und führt die Steuer ab.

Was das Finanzamt im Streitfall sehen will

Wenn ein Finanzamt Ihre Struktur prüft, geht es selten um die Theorie, sondern um Nachweise. Üblich sind:

  • Versand- und Frachtdokumente, aus denen der Abgangsort im Drittland hervorgeht
  • Zollbelege und die Angabe, wer als Anmelder und Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer aufgetreten ist
  • Allgemeine Geschäftsbedingungen und Checkout-Texte, aus denen die Rolle des Kunden als Importeur hervorgeht
  • Verträge mit Lieferanten und Logistikdienstleistern, insbesondere zu den Lieferbedingungen
  • Rechnungen und Zahlungsabrechnungen, die zum dargestellten Ablauf passen

Diese Unterlagen fassen wir in einem Dokumentationsdossier zusammen, das Sie jeder Behörde vorlegen können.

Was sich in den kommenden Jahren ändert

  • Zoll: Der pauschale Zoll von 3 € je Artikel ist eine Übergangslösung bis zum 1. Juli 2028. Danach gelten für Kleinsendungen die normalen Zolltarife, sobald der EU Customs Data Hub die Berechnung übernimmt.
  • E-Rechnung in Deutschland: Seit dem 1. Januar 2025 müssen inländische Unternehmen E-Rechnungen im B2B-Bereich empfangen können. Die Pflicht zum Versand greift ab dem 1. Januar 2027 für Unternehmen mit mehr als 800.000 € Vorjahresumsatz und ab dem 1. Januar 2028 für alle. Rechnungen an Verbraucher und Kleinbetragsrechnungen bis 250 € sind ausgenommen.
  • ViDA: Auf EU-Ebene ist mit dem Paket „VAT in the Digital Age“ (Richtlinie (EU) 2025/516) eine schrittweise Einführung digitaler Meldepflichten für grenzüberschreitende Umsätze beschlossen.

Wir beobachten diese Entwicklungen und melden uns, wenn Ihr Modell angepasst werden muss.

Häufige Fragen zu Deutschland

Muss mein Kunde bei der Zustellung Einfuhrumsatzsteuer zahlen?

Wenn der Kunde Importeur ist und die Sendung nicht über IOSS läuft: ja. Er zahlt 19 % bzw. 7 % Einfuhrumsatzsteuer und meist eine Auslagepauschale des Zustelldienstes. Kommunizieren Sie das vor dem Kauf deutlich, sonst steigen Annahmeverweigerungen und Retouren.

Gilt das auch für Verkäufe über Amazon oder andere Marktplätze?

Nicht ohne Weiteres. Bei Sendungen bis 150 € aus Drittländern gilt der Marktplatz in vielen Fällen als fiktiver Lieferer und führt die Umsatzsteuer selbst ab. Zusätzlich haften Marktplätze nach § 25e UStG.

Ich habe bisher deutsche Umsatzsteuer berechnet, obwohl der Lieferort im Drittland lag. Was nun?

Dann sind zwei Dinge zu klären: die Korrektur der Vergangenheit, einschließlich zu Unrecht ausgewiesener Steuer nach § 14c UStG, und die Umstellung für die Zukunft. Beides sehen wir uns in der Analyse an.

Brauche ich eine deutsche Adresse oder einen Fiskalvertreter?

Für die Umsatzsteuerregistrierung ist keine deutsche Adresse erforderlich. Eine Fiskalvertretung ist in Deutschland nur in bestimmten Fällen vorgesehen, etwa bei ausschließlich steuerfreien Umsätzen. Für die Produktregistrierungen nach ElektroG und BattG benötigen Hersteller ohne Niederlassung dagegen einen Bevollmächtigten in Deutschland.

Gibt es ein Beispiel aus der Praxis?

Ja. Lesen Sie unsere Fallstudie „Stopping unnecessary VAT payments in Germany“ (auf Englisch).

Was passiert nach dem 1. Juli 2028?

Ab diesem Datum schuldet nach der Richtlinie (EU) 2025/1539 bei Fernverkäufen eingeführter Gegenstände immer der Lieferer oder die als Lieferer geltende Plattform die Einfuhrumsatzsteuer; die Sonderregelung, bei der der Kunde sie zahlt, entfällt. Bis dahin bleibt die Struktur anwendbar, und die Umstellung planen wir rechtzeitig mit Ihnen. Wer heute sauber aufgestellt ist, hat dann den Vorteil, dass Dokumentation, Rechnungen und Shop-Einstellungen bereits stimmen.

Nächster Schritt

Wir prüfen kostenlos, welche Behandlung für Ihren Warenfluss gilt und ob Ihre Struktur der deutschen Praxis standhält.

So läuft es ab: Sie schicken uns Ihre Eckdaten, wir prüfen Lieferkette, Versandweg und Zielmärkte und melden uns innerhalb von 48 Arbeitsstunden mit einer klaren Einschätzung. Passt Ihr Setup nicht in den rechtlichen Rahmen, sagen wir Ihnen auch das.

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